Hand/Handgelenk

Instabilität des Handgelenks

Das handgelenknahe Umwendgelenk des Unterarms zwischen Elle und Speiche wird durch Bänder geführt. Durch Sturz oder plötzliche Verdrehbewegungen können die Bänder reißen und schmerzhafte Instabilitäten in diesem Gelenk verursachen. Typisch ist das „Verreißen“ einer festgefressenen Bohrmaschine oder der Anprallsturz auf die Hand als auslösendes Moment. Dann sind Aufstützen und Auswringbewegungen nur sehr schmerzhaft oder nicht mehr möglich. Man hat das Gefühl, dass die Hand „wegbricht“. Oftmals tritt diese Instabilität mit Brüchen der Speiche auf. Entweder reißen die Bänder in sich oder sie reißen aus der knöchernen Verankerung. Es zeigt sich dann ein Hervortreten der Elle am Handgelenk mit vermehrter Bewegung zwischen Speiche und Elle.

Das Gelenk kann nur operativ stabilisiert werden. In der Regel erfolgt zunächst eine Handgelenkspiegelung. Dadurch wird das Verletzungsausmaß eindeutig dargestellt, sodass die adäquate Therapie in der gleichen Sitzung oder in einem zweiten Eingriff erfolgen kann. Durch im Knochen versenkte Fäden, der sogenannte Fadenanker, kann man die abgerissenen Bänder sehr gut wieder nähen. Ist das Band mit Knochen ausgerissen, wird der Knochen verschraubt. Da diese Operation in den ersten Tagen sehr schmerzhaft ist, führen wir dieses Verfahren unter stationären Bedingungen mit einem Schmerzkatheter durch. Die Patienten sind nach der Operation zwei Tage bei uns. Der Schmerzkatheter wird vor der Operation in die Achsel oder oberhalb des Schultergelenks gelegt und verbleibt bis zur Entlassung, was eine sehr wirksame und individuelle Schmerztherapie für den Patienten ermöglicht.

Es erfolgen regelmäßige Wundkontrollen und Verbandwechsel. Die Entfernung des Nahtmaterials wird nach zwei Wochen vorgenommen. Zunächst wird nach Operation eine Oberarmgipsschiene bis zum Handgelenk angelegt. Diese kann dann ggf. nach Kostenzusage der jeweiligen Krankenkasse gegen eine Oberarmspezialschiene (sog. Armsegmentorthese) ausgetauscht und für vier Wochen angelegt werden. Der Vorteil ist dabei die frühzeitige Beübung des Ellenbogens, um eine Versteifung vorzubeugen. Danach wird diese Orthese umgebaut und für weitere vier Wochen am Unterarm getragen, um die Umwendbewegung zu begrenzen. Es darf für insgesamt zwölf Wochen keine Belastung auf den Arm ausgeübt werden. Erst nach dieser Zeit erfolgt der langsame Belastungsaufbau.

Fragen zur Instabilität des Handgelenks

Entscheidend ist die Untersuchung, um für den Patienten die beste Therapie festlegen zu können. Deshalb sollte der Patient im Vorgespräch in der Sprechstunde seine Schmerzen bestmöglich schildern und vor allem auslösende Tätigkeiten beschreiben können. In der Regel werden die Patienten am Tag der Operation aufgenommen.

Um das Infektionsrisiko so weit wie möglich zu reduzieren, sollte die Haut gut gereinigt und gepflegt sein. Trockene Haut sollte mit Hautschutzcreme im Vorfeld behandelt sein, da trockene Haut eine verminderte Schutzfunktion aufweist. Die Fingernägel sollten so kurz wie möglich geschnitten sein, da die Hautkeime vor allem in diesen Regionen vorkommen. Nagellack und weitere kosmetische Nagelveränderungen müssen vor der Operation aus den oben genannten Gründen entfernt werden. Die Schulterregion und Achsel an der zu operierenden Hand sollte ebenfalls gereinigt und unverletzt sein, weil dort die Betäubung i.d.R. gesetzt wird. Da ein zweitätiger stationärer Aufenthalt erfolgt, sollte entsprechend Kleidung, persönliche Hygieneartikel und vor allem die eigenen Medikamente für z.B. Bluthochdruck, Diabetes, Schilddrüse usw. mitgebracht werden, um eine reibungslose Versorgung zu garantieren.

Um die Operation reibungslos planen zu können, sollten alle relevanten Unterlagen zu Vorerkrankungen am Sprechstundentermin mitgebracht werden. Äußerst wichtig ist die aktuelle Medikamentenliste.

Diabetes mellitus: Metformin muss ein bis zwei Tage vor der Operation abgesetzt werden. Dies wird aber nochmals in der Sprechstunde vor der Operation mit dem Narkosearzt genau besprochen.

Blutgerinnungstherapie: 100 Milligramm Aspirin zur täglichen Einnahme darf auch während der Operation und danach fortgeführt werden. Alle übrigen Blutgerinnungsmedikamente (z.B. Marcumar, Xarelto usw.) müssen ggf. im Vorfeld abgesetzt und durch andere Präparate ersetzt werden. Da dies immer eine sehr individuelle Entscheidung ist, sollten alle Informationen am Sprechstundentermin vorhanden sein. In Anbetracht der Vielzahl an erhältlichen Medikamenten muss oftmals vor der Operation der betreuende Hausarzt bzw. Facharzt diesbezüglich eingeschaltet werden.

Die Betreuungsvollmacht sollte vorhanden und der Betreuer am Sprechstundentermin anwesend sein, um eine zügige Therapieeinleitung beginnen zu können.

In der Regel erfolgt die Operation mit einer schonenden Regionalanästhesie, d.h. der Arm wird betäubt, sodass der Kreislauf nicht sonderlich belastet wird. Danach wird die Schmerztherapie durch dieses Verfahren während des stationären Aufenthalts individuell gesteuert. Dies sorgt für eine sehr wirksame Schmerzausschaltung nach der Operation. Über die Narkoserisiken wird der Patient in einem persönlichen Gespräch mit dem Narkosearzt informiert (hierzu verweisen wir auch auf den Abschnitt Anästhesie auf unserer Homepage).

Die Operation kann gut geplant werden, wodurch Risiken minimiert werden können. Unsere Chirurgen haben große Erfahrung bei dieser sehr häufig vorkommenden Erkrankung.

Bei dem Eingriff können Sehnen, Bänder, Nerven und Blutgefäße verletzt werden. Dies kann zu einer Funktionsminderung der Hand führen. Zu den möglichen Komplikationen zählen auch Infektionen, Schwellungen, Blutergüsse, Schmerzsyndrome (sog. CRPS - Komplex regionales Schmerzsyndrom) und das Narkoserisiko.

Hand/Handgelenk
Prof. Dr. med.
Peter Hahn

Handchirurgie
07264 60-327 Termin vereinbaren
Prof. Dr. med.
Frank Unglaub

Handchirurgie
07264 60-327 Termin vereinbaren

Bitte beachten Sie:

Medizinische Fachausdrücke und die Beschreibung von Erkrankung und Therapie sind manchmal schwer verständlich. Für den Erfolg der Therapie ist es aber sehr wichtig, dass der Patient alles versteht und dem behandelnden Arzt Symptome beschreiben kann. Bei bestehenden Sprachbarrieren sollte daher ein Übersetzer mit zum Sprechstundentermin gebracht werden.