Rücken und Wirbelsäule

Chronische Schmerzen

Schmerztherapie

„Schmerz ist ein unangenehmes Sinnes- oder Gefühlserlebnis, das mit tatsächlicher oder potenzieller Gewebeschädigung einhergeht oder von betroffenen Personen so beschrieben wird, als wäre eine solche Gewebeschädigung die Ursache.“
(Definition der „International Association for the Study of Pain” - IASP)

Laut einem Dossier der Deutschen Schmerzliga e.V. aus dem Jahr 2013 leiden 12-15 Mio. Menschen in Deutschland an länger andauernden oder wiederkehrenden Schmerzen, wobei 4-5 Mio. der Betroffenen dadurch stark beeinträchtig sind. Bei der Mehrzahl aller Schmerzpatienten lässt sich weder eine umschriebene Krankheit noch eine sichere anatomische Quelle als Ursache für den Schmerz finden. Der Anteil dieser Patienten wird in einem Bericht des Robert-Koch-Instituts auf wenigstens 80% geschätzt.

Grundsätzlich muss zwischen akuten und chronischen Schmerzen unterschieden werden.

Der Akutschmerz hat immer eine Signal- bzw. Warnfunktion. Er tritt bei plötzlich einsetzender Krankheit bzw. Funktionsstörung auf. In den meisten Fällen finden die Ärzte eine erklärende Ursache. In der Regel bildet sich der akute Schmerz wieder zurück, sobald die Schmerz auslösende Ursache behoben ist.

Bildet sich der Akutschmerz nicht zurück, kann hieraus in der Folge ein chronischer Schmerzzustand resultieren. Der Schmerz verliert dann seine Warnfunktion. Beim chronischen Schmerz werden Nervenzellfunktionen umgestaltet und zwar insofern, als dass zwar die zuvor Schmerz auslösende Ursache häufig beseitigt wurde, diese aber weiterhin Schmerzsignale an das Gehirn weiterleitet oder nicht schmerzhafte Reize als schmerzhaft empfunden und übertragen werden. Ein sogenanntes Schmerzgedächtnis entsteht, welches schwer wieder zu löschen ist. Die meisten der betroffenen Patienten leiden unter Rückenbeschwerden, Krankheiten der Wirbelsäule oder Arthrose am Kniegelenk.

Im Rahmen einer andauernden Schmerzwahrnehmung kommt es bei Patienten häufig zu Persönlichkeitsveränderungen, Ängsten, sozialem Rückzug, Aggressivität oder Depressionen, was zur vollen Ausbildung einer sogenannten „Schmerzkrankheit“ beisteuert.

Die Schmerzwahrnehmung jedes Menschen ist eine komplexe Wechselwirkung zwischen biologischen, psychischen und sozialen Faktoren (biopsychosoziales Schmerzkonzept). Schmerz wird von jedem Patienten subjektiv wahrgenommen und bewertet.

Nach sorgfältiger Schmerzanalyse durch unsere Ärzte während eines Sprechstundentermins erfolgt der Behandlungsansatz multimodal. Das bedeutet, dass verschiedene Fachgebiete und Therapieformen im Rahmen eines individuellen Behandlungskonzeptes zusammenwirken. Hierzu wird mit dem Patienten, nach ausgereizter ambulanter Therapie, ein Aufnahmetermin für eine stationäre Schmerztherapie, die in der Regel 12 Tage dauert, vereinbart.

Von ärztlicher Seite stehen u. a. medikamentöse, chirotherapeutische- osteopathische Behandlungsmöglichkeiten sowie weiterhin diagnostische und therapeutische Infiltrationsverfahren (Injektion von Medikamente an z. B. Nerven, Sehnenansätze oder andere Strukturen) zur Verfügung. Darüber hinaus kommen in der Vulpius Klinik im Rahmen einer stationären Schmerztherapie Akupunktur, Stoßwellentherapie (gebündelte Schallwellen lösen in der Tiefe Verspannungen in der Muskulatur), TENS (über Elektroden am Körper werden elektrische Impulse an die Nervenbahnen gesendet, um die Schmerzweiterleitung zu unterbrechen) oder auch eine Laser-Therapie zur Anwendung.

Von Seiten unserer Physiotherapie kommen u. a. manualtherapeutische-osteopathische Techniken, Bewegungs- und Entspannungstherapie, Krankengymnastik am Gerät, medizinische Trainingstherapie, Schlingentisch sowie sämtliche Verfahren der physikalischen Therapie wie z. B. Elektrotherapie, Magnetfeldtherapie und Wärmeanwendungen zum Einsatz.

Um individuell auf die Schmerzen jedes Patienten eingehen zu können sind bei uns sogenannte Pain nurses (Schmerzschwestern) im Einsatz. Sie sind speziell ausgebildet und unterstützen mit ihrem Fachwissen das Pflegepersonal.

Ergänzt wird das Therapiekonzept durch eine Psycho- und Verhaltenstherapie.

Um die Behandlungserfolge aus der stationären Schmerztherapie fortzusetzen gibt es mehrere Möglichkeiten. Falls unsere Ärzte es als erfolgversprechend einschätzen, beantragen wir für die Patienten eine Anschlussheilbehandlung in einer Rehaklinik. Diese muss vom Kostenträger (Krankenkasse bei Rentnern oder Rentenversicherung bei Berufstätigen) genehmigt werden. Während der Anschlussheilbehandlung werden einige Therapien, die in unserer Klinik begonnen wurden, weitergeführt, um die Patienten wieder an die Belastungen des Alltags heranzuführen.

Fragen zur Behandlung von chronischen Schmerzen

Die Kosten für die Behandlung in der Vulpius Klinik werden von der Krankenkasse übernommen.

Patienten, die bei einer gesetzlichen Krankenkasse versichert sind, benötigen eine Überweisung vom Facharzt (z.B. Orthopäde, Orthopäde und Unfallchirurg, Neurologe, Chirurg, Neurochirurg) für einen Termin. Hausärzte können diese Überweisung nicht ausstellen. Die Terminvergabe erfolgt über die zentrale Terminvergabe Tel. 07264 60-120. Sie erhalten zunächst einen Sprechstundentermin, bei dem alle nötigen Untersuchungen durchgeführt werden und das weitere Vorgehen besprochen wird.

Die Sprechstunde findet dienstags 9:00 - 14:00 Uhr und donnerstags 8:00 - 12:00 Uhr statt.

Während Ihres stationären Aufenthaltes bei uns und ggf. in der anschließenden Reha zeigen Ihnen die Physiotherapeuten einige Übungen, die helfen können, Ihre Schmerzen zu lindern. Führen Sie diese auch nach Abschluss der Krankenhausbehandlung durch, um die Therapieerfolge zu konservieren.

Rücken und Wirbelsäule
Dr. med.
Volker Seipel

Konservative Orthopädie und Spezielle Schmerztherapie
07264 60-120 Termin vereinbaren