Rücken und Wirbelsäule

Wirbelgleiten

Bei einem angeborenen Wirbelgleiten spricht man von einer Spondylolisthesis vera. Hierbei besteht ein fehlbildungsbedingter Defekt in den Wirbelbögen, der sogenannten Interartikularportion. Durch diese fehlerhafte Verbindung des Wirbelkörpers kommt es zur Verschiebung des oben liegenden Wirbels im Verhältnis zum darunterliegenden, in der Regel nach vorne (Ventrolisthesis oder Anterolisthesis) oder seltener auch nach hinten (Retrolisthesis).

Wirbelgleiten kann jedoch auch aufgrund von Abnutzungserscheinungen im Bereich der Wirbelsäule entstehen (Pseudospondylolisthesis). Hierbei kommt es zum Wirbelgleiten aufgrund einer Höhenminderung der Bandscheiben sowie Verschleiß der Zwischenwirbelgelenke.

Unfallbedingte Veränderungen von Wirbelkörpern, Knochenerkrankungen, wie zum Beispiel Osteoporose, oder auch Wirbelköperveränderungen nach operativen Eingriffen können weitere Ursachen für ein Wirbelgleiten sein.

Auffällig ist eine relativ hohe Rate des Wirbelgleitens bei Leistungssportlern mit extremer Hohlkreuzbildung (Speerwerfer, Judokas, Kunstturner, Ringer oder Delphinschwimmer).

Wenn Beschwerden bestehen, werden diese anfangs vor allem lokal in der Lendenwirbelsäule angegeben. Insbesondere die Oberkörperrückneigung oder körperliche Belastung verstärken den Schmerz. Außerdem kann es durch das Wirbelgleiten durch Druck auf die beidseitig austretenden Nerven zu ausstrahlenden Schmerzen in die Beine kommen. Durch das Gleiten kann es auch zur Verengung des Rückenmarkkanals (Spinalkanal) und damit dann zur sogenannten Spinalkanalstenose kommen. Der Patient klagt in einem solchen Fall über Ermüdungserscheinungen und Schmerzen in den Beinen beim Gehen.

Nicht alle Menschen (ca. 50 %!), die ein angeborenes oder auch degenerativ bedingtes Wirbelgleiten haben, klagen auch gleichzeitig über Schmerzen.

Sollte jedoch eine Beschwerdesymptomatik bestehen, wird man neben einer körperlichen Untersuchung konventionelle Röntgenaufnahmen der Wirbelsäule, eventuell erweitert um Aufnahmen in Oberkörpervor- und Rückneigung, anfertigen, um das Ausmaß des Gleitens und mögliche Ursachen beurteilen zu können. Sollte einen weitere Abklärung erforderlich sein, besteht die Möglichkeit einer Computertomographie (CT) oder Magnetresonanztomographie (MRT).

In der Regel beginnt man ein konservatives, also nicht-operatives, Therapieprogramm mit Krankengymnastik, Manueller Therapie und physikalischen Therapiemaßnahmen (z. B. Wärme, Rotlicht, Fango, Elektrotherapie). Ziel sollte es sein, die Rumpfmuskulatur aufzutrainieren, eventuell in Kombination mit muskellösenden Maßnahmen.

Darüber hinaus kann man bei quälenden Nervenschmerzen durch gezielte Infiltrationen, beispielsweise an die Wirbelgelenke bzw. Nervenwurzeln, Linderung herbeiführen.

Sollten intensivierte konservative Therapiemaßnahmen ausgeschöpft sein und die Beschwerden fortbestehen, muss ggf. über operative Maßnahmen, zum Beispiel eine Stabilisierung des gelockerten Segmentes (Spondylodese), nachgedacht werden.

Rücken und Wirbelsäule
Dr. med.
Volker Seipel

Konservative Orthopädie und Spezielle Schmerztherapie
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