Riß des vorderen Kreuzbandes

Das vordere Kreuzband befindet sich im Kniegelenk. Es entspringt im hinteren Abschnitt der Innenseite der äußeren Oberschenkelgelenkrolle und hat seinen Ansatz im mittleren Bereich der Gelenkfläche, die vom Schienbeinkopf gebildet wird. Das vordere Kreuzband hat eine wesentliche Funktion für die Stabilität des Gelenks. So verhindert es die Bewegung des Unterschenkels nach vorne. Zudem wirkt es als Stabilisator in Bezug auf Innendrehung und Bewegung im Sinne eines X-Beins. Es verhindert außerdem die Überstreckung im Kniegelenk. Der Riss des vorderen Kreuzbandes ist eine schwerwiegende Verletzung des Kniegelenks und häufig Folge einer Verletzung beim Sport. Besonders prädestiniert sind Sportarten mit schnellen Richtungswechseln, häufigen Beschleunigungsaktionen und Drehbewegungen wie sie beim Fußball, Tennis und Basketball auftreten. 23% der Risse des vorderen Kreuzbandes passieren beim Skifahren.

Ursachen

Der häufigste Mechanismus, der zu einem vorderen Kreuzbandriss führt ist die Kombination aus Beugung, Abspreizen und Außendrehung im Kniegelenk bei relativer Fixierung des Fußes und des Unterschenkels. Allerdings kann es auch bei forcierter Beugungs- und Innendrehbelastung sowie bei Überstreckung zu einem Riss des vorderen Kreuzbandes kommen. Auch die seitliche Belastung im Sinne eines O-Beines kann zu einem Riss des vorderen Kreuzbandes führen.

Symptome

Die Patienten klagen über Schmerzen und berichten häufig über ein Knacken im Kniegelenk beim Unfall. Oft finden sich ein Erguss, Bewegungsschmerzen und eine Instabilität im Kniegelenk. Die Instabilität besteht vor allem beim Treppab gehen.

Behandlung

Bei geringer subjektiver Instabilität und niedrigem körperlichen Anspruch ist eine konservative Therapie gerechtfertigt. Hierbei wird eine Kunststoffschiene mit Gelenk an das Kniegelenk angepasst und Krankengymnastik durchgeführt. Die Krankengymnastik verbessert mit Muskelkräftigung und Koordinationsübungen die Stabilität des betroffenen Kniegelenks.

In der Regel wird allerdings bei körperlich aktiven Patienten mit bleibender Instabilität die operative Rekonstruktion des vorderen Kreuzbandes (Kreuzbandplastik) empfohlen, insbesondere auch wegen des ungünstigen natürlichen Verlaufs. Unbehandelt führt die vordere Kreuzbandinstabilität zu einer hohen Rate von Meniskusverletzungen, Knorpelschädigungen und zum frühzeitigen Auftreten von einem Verschleiß des Kniegelenkes (Arthrose).

Bei der Operation wird das vordere Kreuzband durch körpereigene Sehnen (Semitendinosus- und Gracilissehne) ersetzt. Diese Sehnen werden über einen kleinen Hautschnitt am innenseitigen Schienbeinkopf entnommen und jeweils gedoppelt, so dass sich daraus ein Vierfach-Transplantat ergibt. Die primäre Reißkraft eines vierfach gelegten Sehnentransplantats ist ungefähr doppelt so hoch wie die Reißkraft des normalen menschlichen vorderen Kreuzbandes. Die Operation führen wir arthroskopisch durch. (siehe auch OrthoNews)

PD Dr. Michael Clarius

Priv.-Doz. Dr. Michael Clarius
Chefarzt Orthopädie,
Orthopädische Chirurgie
und Unfallchirurgie

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